Du kommst hier nicht rein: Hexan

Gut Ding will Weile haben. Das gilt auch bei der Herstellung edler Pflanzenöle und Parfüms. Doch dafür fehlt es vielen Firmen einfach an Geduld. Damit Nüsse, Lavendel, Oliven und Jasmin sich ihre Wirkstoffe im Turbo-Tempo entlocken lassen, wird oft das Lösungsmittel Hexan eingesetzt, das wie ein Dietrich die Zellwände aufbricht. Dufter Helfer oder Hexenwerk?
Du kommst hier nicht rein: Hexa, Foto: PIXABAY
Wie findet man Hexan in der INCI-Liste?

Leider gar nicht. Da Hexan lediglich ein Hilfsstoff ist, der bei der Herstellung kosmetischer Zutaten verwendet wird, ist er in der INCI-Liste nicht zu finden. Er treibt sein Unwesen im Verborgenen, indem er sich als Rückstand im Produkt versteckt und die Qualität mindert.

Was ist Hexan eigentlich?

Bei dieser Chemikalie handelt es sich um einen gesättigten Kohlenwasserstoff, der aus Erdöl hergestellt wird. Da Hexan neben Heptan und dem bekannteren Octan auch Bestandsteil von Benzin ist, haben wir fast tagtäglich damit zu tun. Die farblose Flüssigkeit ist flüchtig, leicht entflammbar und verdampft bereits bei Zimmertemperatur. In Kombination mit Sauerstoff können sich dabei explosive Gasgemische bilden – weshalb man an Tankstellen beispielsweise nicht rauchen darf.

Was bewirkt Hexan und wo wird es eingesetzt?

Benzin schwimmt in bunten Schlieren auf Wasser – löst aber hervorragend Fett. Das weiß jeder, der schon mal Ölflecken damit aus seiner Jeans oder von den Händen entfernt hat. Ähnlich ist Hexan in der Lage, wie ein Mini-Magnet kostbare Fettbausteine und ätherische Öle aus Pflanzen herauszuziehen, und zwar bis zum letzten Tropfen. Es öffnet die Zellwände von Blüten, Samen und Nüssen und beschleunigt auf diese Weise die Gewinnung pflegender Öle sowie natürlicher Duftstoffe, die sonst mühsam allein durch Pressung oder Wasserdampfdestillation gewonnen werden müssten. Deshalb ist der Einsatz dieser Substanz in der Kosmetikindustrie sehr beliebt, zumal sie obendrein äußerst preiswert ist.

Darüber hinaus steckt Hexan nicht nur in Benzin und Flecklösern, sondern häufig auch als Verdünnungsmittel in Lacken, Druckfarben oder Klebstoffen. Da es bei warmen Temperaturen gasförmig aufsteigt, sich bei kühlen dagegen verflüssigt und absinkt, dient es in Thermometern manchmal als Ersatz für Quecksilber.

Warum ist Hexan problematisch?

Schwierigkeiten gibt es vor allem bei direktem Kontakt. Das Einatmen der Dämpfe kann zu Schwindel und Kopfschmerzen führen. Ist die Hexan-Konzentration sehr hoch, entsteht dabei kurzfristig eine Art Glücksgefühl, das anschließend in tiefe Entspannung übergeht. Deshalb hat Hexan auch als Schnüffeldroge in Klebstoffen traurige Karriere gemacht. Außerdem reizt die Chemikalie Augen und Schleimhäute, kann zu Juckreiz, Ekzemen und im schlimmsten Fall zu Nervenschädigungen führen.

Wer Kosmetik benutzt, deren Zutaten mit Hilfe von Hexan gewonnen wurden, kommt zwar nicht unmittelbar mit diesem Stoff in Berührung. Doch das Extrahieren damit gleicht trotzdem einem Balanceakt, bei dem einiges schiefgehen kann. Wird die Substanz nach dem Lösungsvorgang nicht penibel genug entfernt, können hautreizende Rückstände im Produkt bleiben. Aber auch eine restlose Bereinigung ist nicht ganz ohne. Um das Hexan wieder aus dem fertigen Öl zu bekommen, wird es nämlich auf 140 Grad erhitzt, damit die Chemikalie verdampft, und anschließend geklärt, entsäuert und entfärbt. Durch diesen Prozess wird das Öl zwar zu einer hellen, klaren Flüssigkeit, die sich lange lagern lässt, aber es wird auch ein beträchtlicher Teil seiner wertvollen Inhaltsstoffe zerstört, etwa die Vitamine. Doch genau die will man ja eigentlich nutzen, wenn man Kosmetik verwendet – sonst hat man lediglich „leeres“ Fett auf Haut oder einen Duft ohne aromatherapeutische Wirkung.

Unser Fazit

Die Öl-Ausbeute erhöhen und dafür jede Menge Wirkstoffe killen? Dieser Preis ist ja wohl eindeutig zu hoch, zumal ihn einzig und allein die Verwenderinnen und Verwender zu tragen haben. Die Hersteller freuen sich lediglich über ihren Profit. Bei Naturkosmetik, Natur-Parfüms und ätherischen Ölen in Bio-Qualität, die durch den BDIH, NATRUE oder Ecocert zertifiziert sind, kann Ihnen das nicht passieren. Die Zutaten müssen nicht nur natürlich sein, sondern es ist auch genau geregelt, mit welchen schonenden Verfahren sie gewonnen werden dürfen – etwa durch Wasserdampfdestillation, Extraktion mit Bio-Alkohol oder Kaltpressung. Das Resultat: Bio-Pflege und Düfte, die keine hautreizenden Rückstände enthalten – dafür aber reinste Wirkstoffbomben sind.

Weitere spannende Folgen unserer Serie „Du kommst hier nicht rein“: Triethanolamin, Ammoniak, Aluminium, Azofarbstoffe und Silikon.

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