Du kommst hier nicht rein: Chemische UV-Filter

Der Sommer naht und mit ihm die Zeit, in der man auf keinen Fall auf wirksamen Sonnenschutz verzichten sollte. Leider haben synthetisch hergestellte Lichtschutzfilter jedoch viele Schattenseiten: Ethylhexyl Methoxycinnamate und Benzophenon können zum Beispiel Allergien hervorrufen und sogar hormonartig wirken.
Du kommst hier nicht rein: Chemische UV-Filter Bild: pixabay
Wie findet man chemische UV-Filter in der INCI-Liste?

Diese Substanzen in der Zutatenliste seiner Kosmetik zu entdecken, erfordert genaues Hinsehen: Ihre Namen sind teilweise lang und kompliziert. Die wichtigsten Bezeichnungen lauten Ethylhexyl Methoxycinnamate, Benzophenone-3, 2-Hydroxy-4-methoxybenzophenone und Benzophenone-4. Die Silbe „benzo“ ist immer ein Alarmsignal!

Was sind chemische UV-Filter eigentlich?

Bei Benzophenon, das manchmal auch Oxybenzon genannt wird, handelt es sich um winzige, farblose Kristalle, die durch mehrere chemische Bearbeitungsschritte aus Benzol hergestellt werden können – ein Kohlenwasserstoff, den wir auch von Autoabgasen kennen. Ethylhexyl Methoxicinnamate hingegen ist eine flüssige, synthetisch produzierte Substanz aus Zimtsäure.

Was bewirken chemische UV-Filter und wo werden sie eingesetzt?

Ethylhexyl Methoxycinnamate und Benzophenone absorbieren UV-Strahlen, indem sie mit der Haut reagieren und das Licht in Wärme und Infrarotstrahlen umwandeln. Allerdings braucht dieser Prozess eine Anlaufzeit von rund 30 Minuten, weshalb man konventionelle Schutzcremes schon eine halbe Stunde vor einem Sonnenbad auftragen soll. Doch nicht nur in ausgewiesenen Sonnencremes, -sprays und -lotionen werden sie eingesetzt. Auch in Tagescremes und Lippenstiften sind die umstrittenen Stoffe zu finden, um die Bildung lichtbedingter Fältchen hinauszuzögern. In Parfüms, Flüssigseifen, Duschgels und Shampoos, die in durchsichtigen Glas- oder Kunststoffverpackungen angeboten werden, sorgen chemische UV-Filter hingegen dafür, dass Farb- und Duftstoffe trotz Lichtkontakt stabil bleiben. Benzophenon wird darüber hinaus als Hilfsmittel bei der UV-Härtung von Industrielacken und Beschichtungen verwendet oder schützt Druckfarben vor dem Verblassen.

Warum sind chemische UV-Filter problematisch?

Ethylhexyl Methoxycinnamate und Benzophenon verhindern zwar erfolgreich Sonnenbrand, aber die Reaktion, die auf der Haut abläuft, hat leider Nebenwirkungen. Dabei können nämlich neue Molekülverbindungen entstehen, die Allergien hervorrufen und die hauteigenen Enzyme angreifen. Tatsache ist, dass chemische UV-Filter nicht an der Hautoberfläche bleiben, sondern in den Körper eindringen und dort Unheil anrichten können. Neu ist das nicht, zumal eine Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) 2013 eindringlich darauf hingewiesen hat. Bereits im Jahr 2001 hat das Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Zürich eine Untersuchung vorgelegt, aus der hervorging, dass synthetische Lichtschutzfilter ähnlich wie das weibliche Hormon Östrogen wirken können. Das kann zu Fruchtbarkeitsstörungen, Fettleibigkeit und schlimmstenfalls Brustkrebs führen. Öko-Test hat sogar schon 1998 erstmals Lichtschutzfilter in Muttermilch nachgewiesen.

Trotzdem halten konventionelle Beauty-Hersteller die Kritik auch heute noch für unberechtigt und berufen sich auf die Kosmetikverordnung, die sowohl Benzophenon als auch Ethylhexyl Methoxycinnamate erlaubt – zumindest, wenn bestimmte Grenzwerte eingehalten werden. Dass zudem die Umwelt leidet, beweist eine Studie der Universität Ancona: Schon 10 Mikroliter Sonnenmilch auf einen Liter Meerwasser führen dazu, dass Korallen innerhalb weniger Tage ihre leuchtend rote Farbe verlieren. Deutsche Gewässer und zahlreiche Fische sind heutzutage ebenfalls durch chemische UV-Filter belastet, sodass Benzophenon und Ethylhexyl Methoxycinnamate längst in unsere Nahrungskette gelangt sind.

Unser Fazit

Sonnencremes wurden früher vorwiegend im Sommerurlaub oder an Wochenenden im Freien angewendet, sodass wir letztlich nur selten mit den beiden Filtersubstanzen in Berührung kamen. Heute aber stecken sie in etwa 90 Prozent (!) aller herkömmlichen Tagescremes. Hinzu kommt, dass die meisten Menschen zusätzlich weitere Kosmetik wie Parfüms, Lippenstifte oder Duschgels benutzen, in denen die Substanzen ebenfalls oft enthalten sind – ganz zu schweigen von anderen chemischen Beautyzutaten, etwa Parabenen, die einen ähnlich hormonartigen Effekt haben. Essen wir dann obendrein durch UV-Filter belasteten Fisch, ist das Maß buchstäblich schnell voll.

Dabei sind Benzophenon und Ethylhexyl Methoxycinnamate nicht nur schädlich, sondern auch unnötig. Wer sich vor intensivem Sonnenlicht schützen möchte, kann dies gezielt auch mit Naturkosmetik tun, die mineralische Pigmente wie Titandioxid und Zinkoxid enthält. Diese Stoffe bleiben an der Hautoberfläche, reflektieren das Licht und sind obendrein sofort wirksam. Den üblichen „Weißel-Effekt“, wie er vor einigen Jahren kaum unumgänglich war, weist kaum eine moderne Bio-Sonnenpflege mehr auf. Wie das geht und welchen natürlichen Sonnenschutz wir besonders empfehlen können, verraten wir hier.

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2 Gedanken zu „Du kommst hier nicht rein: Chemische UV-Filter“

  1. Den Satz „Benzophenon wird darüber hinaus als Hilfsmittel bei der UV-Härtung von Industrielacken und Beschichtungen verwendet oder schützt Druckfarben vor dem Verblassen.“ können Sie sich auch sparen. Er dient nur dazu, den Leser zu verunsichern und negative Assoziationen hervorzurufen.
    Das Titandioxid als UV Filter wirkt ist natürlich richtig, jedoch kommt man mit mineralischen Filtern nicht über SPF25 hinaus. Hier haben Sie nicht geschrieben, dass bei der großtechnischen Produktion von TiO2 Dünnsäure entsteht, die man zwar aufarbeiten kann, das Verklappen in der Nordsee ist aber schlicht billiger.
    Es scheint, als ob man hier nur zwischen Pest und Cholera wählen kann…

    1. Vielen Dank für den kritischen Kommentar. Allerdings dient der zitierte Satz nicht dem Hervorrufen negativer Assoziationen, sondern soll die verschiedenen Anwendungsgebiete (auch außerhalb der Kosmetik) aufzeigen und da gehören die genannten einfach dazu.
      Dass mineralische Filter nicht über einen Lichtschutzfaktor von 25 hinauskommen, können wir nicht bestätigen. Mittlerweile gibt es auch mineralische Filter mit einem SPF 50+, zum Beispiel diese Sonnencreme von eco cosmetics.
      Wie verschiedene Unternehmen Dünnsäure entsorgen, können wir nicht beurteilen. Da Naturkosmetikhersteller jedoch großen Wert auf Nachhaltigkeit legen, ist anzunehmen, dass die Entsorgung in der Nordsee weder mit dem Gewissen, noch den strengen ökologischen Standards vereinbar wären.
      Wir sehen uns allgemein als Informations- und Aufklärungsportal. Ob man am Ende konventionelle oder naturkosmetische Produkte nutzt, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden.

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