Du kommst hier nicht rein: Azofarbstoffe

Violetter Lidschatten, sonnig gelber Badezusatz, pechschwarze Coloration: Kosmetik bringt jede Menge Farbe ins Leben! Doch die in konventionellen Produkten verwendeten synthetischen Farbstoffe haben auch Schattenseiten, denn sie stehen im Verdacht, die Entstehung von Allergien und Krebs zu begünstigen. Wird dieses Risiko vertuscht?
Titelbild: Du kommst hier nicht rein: Azofarbstoffe Bild: pixabay
Wie findet man Azofarbstoffe in der INCI-Liste?

Azofarbstoffe anhand der Zutatenliste zu erkennen, ist leider sehr schwierig. Das liegt daran, dass etwa die Hälfte der ungefähr 4000 für Kosmetik zugelassenen Pigmente zu dieser Stoffgruppe gehört – also etwa 2000. Generell erkennen Sie Farbstoffe an dem Kürzel CI für „Colour Index“ und einer fünfstelligen Zahl dahinter. Zu den am meisten umstrittenen Vertretern der Azo-Familie gehören z. B. der intensive Gelbton CI 19140 sowie die roten Nuancen CI 18050, CI 14720 und CI 16035.

Was sind Azofarbstoffe eigentlich?

Um möglichst stabile, brillant leuchtende Farben herzustellen, die nicht so leicht verblassen und auch in großen Mengen günstig produziert werden können, wurde bereits 1861 das erste Mal in die chemische Trickkiste gegriffen. Mit Anilingelb entstand der erste synthetische Farbstoff. Dadurch taten sich völlig neue Möglichkeiten auf, denn durch Azofarbstoffe, die aus aromatischen Aminen gebastelt werden, konnten plötzlich sogar Nuancen erzeugt werden, die es in der Natur gar nicht gibt. Da sie alle eine Stickstoff-Doppelbindung enthalten und dieses Element auf Französisch „azote“ heißt, bekamen sie den Namen Azofarbstoffe.

Wo werden Azofarbstoffe noch eingesetzt?

Vor allem in Lebensmitteln. Wegen der intensiven Farbtöne, die sich damit kreieren lassen, stecken sie z. B. oft in Weingummi, leuchtend gelber Brause, Bubble Tea oder bunten Zuckerstreuseln auf Kuchen und Keksen. Da eine Studie der Uni Southampton bewiesen hat, dass bestimmte Azofarbstoffe das „Zappelphilipp-Syndrom“ ADHS hervorrufen können, hat die EU im Juli 2010 beschlossen, dass Lebensmittel mit bestimmten künstlichen Farbstoffen den Warnhinweis „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“ tragen müssen. Betroffen sind Allurarot AC (E 129), Azorubin (E 122), Chinolingelb (E 104), Cochenillerot A (E 124), Gelborange S (E 110) und Tartrazin (E 102). Auch in Kleidungsstücken können Azofarbstoffe vorkommen, obwohl die EU ihre Verwendung in Textilien bereits 2002 verboten hat. Da ein großer Teil der in Europa verkauften Mode aus Drittländern stammt, geraten gerade Billiganbieter wie KIK oder Tedi regelmäßig in die Schlagzeilen, weil in ihrer Ware trotzdem immer wieder Azofarbstoffe entdeckt werden.

Warum sind Azofarbstoffe problematisch?

Azofarbstoffe haben nicht nur brillante Leuchtkraft, sondern leider auch ungeahnte Tücken. Für beides ist eine chemische Brücke in den Farbmolekülen verantwortlich, die von Hautbakterien, der Leber und Verdauungsenzymen aufgespalten werden kann. Genau darin liegt die Gefahr, denn beim Aufbrechen dieser Brücke werden die Azofarben in ihre Ausgangsstoffe, die aromatischen Amine, zurückverwandelt. Diese Bausteine können Allergien und im schlimmsten Fall sogar Krebs erzeugen. Warum zieht man daraus keine Konsequenzen? Das hat vor allem zwei Gründe. Zum einen sind die rund 2000 Azofarbstoffe sehr unterschiedlich, so dass man sie schlecht über einen Kamm scheren kann. Zum anderen gibt es derartig viele Einsatzmöglichkeiten, dass immer wieder andere Behörden für die Sicherheitsbewertung zuständig sind. Dadurch kommt es teilweise zu haarsträubenden Kuriositäten. Bei Limonade oder Bonbons reicht oft ein Warnhinweis – in Tierfutter sind Azofarbstoffe dagegen generell verboten. Welche Farbstoffe in Cremes, Lidschatten und Duschgels verwendet werden dürfen, ist in der Kosmetikverordnung geregelt. Doch selbst in diesem Bereich ist nicht alles bloß Schwarz oder Weiß. So gibt es z. B. Farbstoffe, die in Reinigungsprodukten erlaubt, in Cremes aber verboten sind, weil der Hautkontakt mit abwaschbarer Kosmetik nur kurz ist, während er bei Pflegeprodukten 12 Stunden dauern kann. Hinzu kommt, dass auch die Beauty-Branche mit der Wandelbarkeit von Azofarbstoffen und verschiedenen Zuständigkeiten zu kämpfen hat. Der rote Farbstoff CI 18050, der in Lebensmitteln als E 128 deklariert wird, ist z. B. seit 2008 in Nahrungsmitteln verboten. Das deutsche Bundesamt für Risikobewertung empfahl daraufhin noch im selben Jahr, CI 18050 auch nicht mehr in kosmetischen Produkten einzusetzen. Doch bislang ohne Erfolg.

Unser Fazit

Wegen der Fülle der Azofarbstoffe ist es für Laien leider praktisch unmöglich, das Gefahrenpotenzial jedes einzelnen zu beurteilen, zumal auch die Art, also in welcher Form, Konzentration und Dauer sie eingesetzt werden, eine Rolle spielt. Ein fettlöslicher Azofarbstoff, der in einem Badezusatz verwendet wird, richtet darin vielleicht kaum Schaden aus – was aber in einem ölhaltigen Lippenstift, den wir beim Essen oder Trinken sogar teilweise herunterschlucken, schon anders aussehen kann. Deshalb empfehlen wir, sicherheitshalber lieber gleich die Finger von dieser Stoffklasse zu lassen. In zertifizierter Naturkosmetik und Bio-Lebensmitteln sind Azofarbstoffe zum Glück nicht enthalten.

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