Hinter der Maske

So lang ist sie noch gar nicht her, meine eigene Pubertät. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass mein 16. Lebensjahr vor 10 Jahren eine ganz andere Welt war als der Alltag der heutigen Jugend. Das gilt auch schminktechnisch: Während ich damals unbeholfen mit schwarzem Lidschatten und Kajal herumhantierte, sehen die Mädels von heute aus wie frisch aus der Maske… Eine Studie des IKW deckt die psychologischen Hintergründe auf.
Hinter der Maske Bild: pexels

Die Jugend von heute schminkt sich so gekonnt, dass sie sich damit locker 10 Jahre älter aussehen lassen kann. Immer früher, immer schneller, immer weiter. Erwachsenwerden im Turbomodus –  in einer Hand die Mascara, in der anderen den Concealer. Die Studie „Jugend ungeschminkt“, veröffentlicht vom IKW und durchgeführt vom rheingold salon, befasst sich mit der Frage: Warum schminkt sich die Jugend?

Zwischen Patchwork und Nobelpreis

Hinter der Maske Bild: rheingold-salon.de

Auffällig ist, dass es in der familiären Situation laut der Studie kein Mittelmaß gibt: Knapp 25% der über 1000 befragten Jugendlichen im Alter von 14 bis 21 Jahren stammen aus „brüchigen Verhältnissen“. Ihr bisheriger Lebensweg ist geprägt von der Trennung der Eltern und Patchwork oder Umzügen und damit verbundenen Schulwechseln. Auch häusliche Gewalt und Vernachlässigung sind immer wieder Thema.

Kontrastiert wird diese Lebenswelt von den 76% der Jugendlichen, die sich von ihren Eltern geliebt und umsorgt fühlen. Oftmals wachsen sie überbehütet auf. In vielen Fällen führt das zu maßloser Selbstüberschätzung und völlig übersteigerten Lebenszielen.

Während die einen nur noch sich selbst vertrauen und auf ein stabileres Leben hoffen, planen die anderen bereits buchstäblich ihre Dankesrede für den Nobelpreis.

Gemeinsamer Nenner: Sehnsucht nach Sicherheit

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Ich erinnere mich noch lebhaft an das unberechenbare Gefühlschaos der Pubertät. Der Alltag wird zum unbeholfenen Tanz auf dem Glatteis – und alle schauen dabei zu. Nicht nur der Körper verändert sich und stellt damit eine ständige Gefahr für Peinlichkeiten dar. Auch emotional passiert viel: Die Akzeptanz in der Gruppe spielt eine gesteigerte Rolle und es gilt, bloß nicht negativ aufzufallen. Hinzu kommt das Bedürfnis, die eigene Weiblichkeit oder Männlichkeit zu betonen und „erwachsen“ aufzutreten.

Egal, ob man überbehütet aufwächst oder aus brüchigen Verhältnissen stammt: Die Sehnsucht nach Stabilität ist heutzutage stärker denn je. Denn nicht nur die Pubertät selbst sorgt auf persönlicher Ebene für große Unsicherheit, auch gesellschaftlich finden Jugendliche kaum Halt. „Alles ist möglich“ lautet die Devise. So viel Freiheit bedeutet aber auch Instabilität. Das kann gerade während der Identitätsfindung zum Verlust von Orientierungspunkten führen. Vorgetrampelte Wege gibt es kaum noch – stattdessen gilt es, den eigenen, ganz persönlichen Weg zu finden. Die schier grenzenlosen Möglichkeiten stellen dabei für viele Jugendliche jedoch eine Überforderung dar.

Selbstwert aus dem Tiegel

Hinter der Maske Bild: rheingold-salon.deIn der großen Zeit der Unsicherheit versuchen die Jugendlichen, ein Gefühl der Kontrolle zu bekommen. Pubertät, politische Orientierungslosigkeit, Gruppenzwang und oftmals auch schwierige familiäre Hintergründe führen zu dem gesteigerten Bedürfnis nach Sicherheit.

Aber auch die makellose Maske ist wichtig: Niemand soll die eigene Verunsicherung merken. Oberstes Ziel: Den Schein wahren. Ein gekonnter Auftritt, online und in der realen Welt, soll das Chaos verschleiern, das im Inneren herrscht. Concealer und Co. helfen, unerwünschte Hautunreinheiten zu verdecken. Mascara kommt bei vielen Mädchen fast täglich zum Einsatz und betont die eigene Weiblichkeit. Jungs fühlen sich hingegen besonders männlich, wenn sie Bartpflege und Haarstyling perfektionieren. Bei beiden Geschlechtern von höchster Wichtigkeit: Der tägliche Gebrauch von Deo. Es bewahrt vor Schweißgeruch, der als unfassbar peinlich gilt.

Über 70% der Jugendlichen geben an, dass ihnen Schönheits- und Pflegerituale sehr wichtig sind. Erschreckend: Mehr als die Hälfte glaubt, dass man an einem gepflegten Äußeren den Charakter eines Menschen ablesen kann.

Mein Fazit: Make-up vs. Oberflächlichkeit

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Viele machen sich Sorgen. Auch ich gehöre dazu. Es kann doch nicht normal sein, dass die Kids von heute sich derart hinter Schichten von Make-up verstecken müssen? Mussten wir doch auch nicht! Die Frage ist bloß: Hätten wir es getan, wenn wir das Know-how gehabt hätten? Eingangs habe ich es erwähnt – auch ich habe im Teenageralter natürlich experimentiert. Ebenso meine Schulfreundinnen. Manchmal mehr, manchmal weniger erfolgreich. Meine beste Freundin hatte damals ein Faible für blauen Lidschatten und knallrote Lippen. In Sachen Beauty war sie meine beste Informationsquelle. Immerhin hat sie mir beigebracht, wie man Kajal benutzt, ohne sich ständig ins Auge zu pieksen… Damals gab es eben noch keine Blogs oder Youtubevideos mit Tutorials zum perfekten Lidstrich. Heute ist das anders. Und Schönheitspflege hat offenbar einen höheren Stellenwert als je zuvor.

Besorgniserregend ist vor allem, dass Menschen immer stärker auf ihr Äußeres reduziert werden. Das ist allerdings ein Trend, der sich  auch bei Erwachsenen beobachten lässt. Geschuldet ist er insgesamt den Idealbildern, die uns von den Medien vorgegeben werden. Für Jugendliche ist dabei vor allem das Körperbild gefährlich, das von Model-Casting-Sendungen vermittelt wird: Dem geringen Gewicht der dort gezeigten „Idealkörper“ mit fragwürdigen Diäten nachzueifern, kann schnell die Gesundheit gefährden. Im schlimmsten Fall droht die Gefahr einer Essstörung. Da ist Make-up noch harmlos…

Die Studie ergab, dass etwa 1-2 Jahre viel herumexperimentiert wird. Die größte Gefahr dabei ist, mit zu viel Farbe eher einem Clown zu ähneln als dem Vorbild von Instagram. Nach dieser Experimentierphase pendelt sich die Nutzung von Make-up meist auf ein persönlich passendes Maß ein.

Wir können die Teenies also relativ unbesorgt mit Puder und Lippenstift hantieren lassen. Viel wichtiger ist es hingegen, auch der neuen Generation beizubringen: Der Charakter eines Menschen lässt sich nicht an seinem Äußeren ablesen!

Janine

Autor: Janine

Hi, ich bin Janine und ständig auf der Suche nach neuen Trends und Beauty-Lieblingsstücken! Wenn ich nicht gerade für einen neuen Artikel mit Worten jongliere oder den roten Korrekturstift schwinge, kümmere ich mich um die Organisation der Website und mache Facebook und Co. unsicher. :)

Ein Gedanke zu „Hinter der Maske“

  1. Ein toller Blogartikel zu einer sehr interessanten Studie. Tatsächlich sehen manche 16-Jährige schon aus wie 24. Ich selbst mochte Schminken früher eigentlich gar nicht. Ich habe es nur gemacht, weil es eben alle gemacht haben. Inzwischen hat sich das geändert. Ich schminke mich nicht nur jeden Tag, sondern ich mache es sogar gerne. Es ist einfach so eine Zeit, die ganz allein mir gehört. Aber du hast natürlich Recht. Es spricht nichts dagegen sich zu schminken, aber man sollte nie vergessen, dass das Aussehen nicht alles ist. Darauf kommt es nicht an. Niemals sollte man Menschen nur danach beurteilen. Wer diesen Fehler begeht und sich nur mit „Schönen“ umgibt, verpasst viele wunderbare Bekanntschaften

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