Analog leben und öfter mal abschalten!

Gleich nach dem Aufstehen geht es mit den ersten WhatsApp-Nachrichten los. Im Laufe des Tages kommen unzählige E-Mails, neueste Facebook-News meiner „Freunde“ und abonnierte Instagram-Beiträge dazu. Manchmal frage ich mich schon, ob diese digitale Dauer-Vernetzung wirklich sein muss. Früher ging’s doch auch ohne …?!
Blog: Analog leben und öfter mal abschalten! Bild: naturalbeauty.de

Meine konsequente Abneigung gegen einen WhatsApp-Account löste bisher bei meinen Freunden die unterschiedlichsten Reaktionen aus – von amüsiertem Kopfschütteln bis hin zu genervtem Unverständnis. Vor ein paar Wochen habe ich mich schließlich der Mehrheit gebeugt – oder eigentlich eher meiner Bequemlichkeit. Denn, dass muss ich zugeben, die Kommunikation und das Teilen von Fotos und Videos läuft so doch um einiges einfacher ab.

Trotzdem: Es gab schon Tage an denen ich meine Entscheidung verflucht habe. Zum Beispiel wenn in einer der Gruppen, zu der ich hinzugefügt wurde, über Stunden irgendwelche „unwichtigen“ Nachrichten ausgetauscht werden. Oder wenn ich bereits frühmorgens das Gefühl habe, ich muss sofort mein Handy einschalten, weil mich noch die wichtige Nachricht einer Mutter für den Schulweg meines Sohnes erwarten könnte.

Keine Frage, Internet und Mobiltelefone haben unser Leben in vielerlei Hinsicht nachhaltig verbessert. Aber: Müssen wir deshalb immer SOFORT über alles und jeden informiert werden? Früher hat es doch auch gereicht, wenn mir meine Freundin bei einem Treffen die neuesten Urlaubsfotos zeigte, oder wenn mir meine Schwester während eines Telefonats von ihrem bald anstehenden Vorstellungsgespräch erzählte?! Heute scheinen wir unser ganzes Leben sofort mit jedem teilen zu wollen.

Und was ich noch für viel schwieriger erachte: Es wird geradezu erwartet, dass ich immer erreichbar bin. Sei es von meinem Mann, von Freunden oder meiner Familie. Sogar meine Kinderärztin „schimpft“, wenn sie mich nicht gleich beim ersten Rückruf ans Mobiltelefon kriegt … Was könnte also die Lösung für dieses Dilemma sein?

Rückkehr zum Altbewährten

Zunächst einmal kann es helfen, sich auf die alten Zeiten zu besinnen und auch aus ihnen Wertvolles zu schöpfen. Meist ist es ja immer so, die Mischung macht’s. Man kann digital gut vernetzt sein – aber nicht ständig. Und man kann auch Altbewährtes schätzen, zum Beispiel Brettspiele, Briefe von Hand zu schreiben oder zwischendurch auch mal eine Platte aufzulegen anstatt nur Musik zu streamen.

Das Altbewährte quasi als Hilfe für mehr Ruhe. Zu diesem Thema erschien auf evidero.de ein interessanter Beitrag von Alexandra Hildebrandt, mit dem Titel „Die Rückkehr des Analogen: Endlich wieder offline sein?“. Die Autorin zitiert darin auch einen Artikel, der in der Wochenzeitung DIE ZEIT mit dem Titel „Endlich Offline“ erschien. Glaubt man dem Autor Ulrich Stock ist die aktuelle Nachfrage nach Malbüchern für Erwachsene (sowie Mal- und Zeichenbedarf generell) so hoch wie nie zuvor. Schrebergärten kehren zurück. Das Briefeschreiben ist wieder in. Und auch stehen Gesellschaftsspiele und Vinylplatten bei vielen wieder ganz hoch im Kurs. Das Analoge, so der Autor, habe Zukunft. Aber es wird natürlich – wie Bio-Kost auch – seinen Preis haben. Für mich bedeutet analog zu leben, bewusst zu leben. Wenn ich mir zum Beispiel Jazz-Musik anhöre oder mit meinen Kindern Monopoly spiele, lebe ich im Moment. Mein Handy liegt dann meist in der Küche – so dass ich nicht bei jedem Bing! unruhig werde oder auf mein Display schiele.

Digitale Pause

Noch besser – aber natürlich auch radikaler – ist es, das Handy ganz abzuschalten. Ich mache das oft an den Wochenenden, wenn ich weiß, dass ich keine wichtige Nachricht bekommen könnte. Ich genieße dann diese „smartphonefreie“ Zeit und verschiebe vieles auf später. Endlich abschalten – ohne nervöse Zuckungen. Am liebsten fahren mein Mann und ich dann mit den Kindern raus in die Natur – lassen uns von Wind und Wetter durchpusten oder spielen mit unseren Kindern Förster im Wald. Abends kommen wir dann völlig ausgepowert zurück und sind so müde, dass uns selbst der Blick aufs Display unseres Mobiltelefons schwerfällt. Wenn die Kinder dann schlafen, genießen wir den Abend am liebsten bei einer Flasche Wein und einer guten alten Schallplatte. Unseren Flatscreen haben wir schon vor ein paar Jahren „aussortiert“ – der kommt nur noch raus, wenn ein wirklich guter Film im Fernsehen läuft. 🙂

Kleiner Tipp: In der aktuellen September/Oktober-Ausgabe des Flow Magazins gibt es als Heftbeilage das 7-Tage-offline-Projekt mit Tipps zum Abschalten und offline sein. Zusätzlich enthält es Fragen, um so seine eigenen (Handy-)Gewohnheiten zu beobachten und zu notieren. Für alle, die es noch viel zu selten schaffen, ihr Smartphone einfach mal liegen zu lassen.

Einen Versuch wär’s wert, oder?!

Eure Veronika

Zum Weiterlesen: In unserem Blog „Hinter der Maske“ haben wir uns mit einem weiteren aktuellen Thema kritisch auseinandergesetzt – warum schminken Jugendliche sich stärker denn je?

Und hier noch zwei besondere Buchtipps zum Thema:

Veronika

Autor: Veronika

Hallo, ich bin Veronika und arbeite als freie Journalistin und Redakteurin in München. Auf naturalbeauty.de informiere ich Euch regelmäßig über spannende Brands und tolle neue Produkte. Besonders gern interviewe ich die großen Macher und Visionäre aus der Naturkosmetik-Branche.

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